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T0084


Von ethisch-epistemischen Ambivalenzen und Fallstricken: Chancen und Grenzen kollaborativer Forschung in einer Zeit des Umbruchs 
Format:
Workshop
Working groups:
Ethics

Short Abstract

Wie weiter, wenn scheinbar klare Hierarchien zwischen machtvollen Forschenden und machtlosen Beforschten in ihr Gegenteil umschlagen, Dekolonialisierung politisch instrumentalisiert wird, oder wenn autoritäre Gruppen erforscht werden, deren Wertvorstellungen dem Prinzip der Symmetrie widersprechen?

Long Abstract

Ethische Richtlinien für professionelle Forschung wurden erstmals 1971 formuliert als während des Kalten Krieges auch Ethnolog*Innen angeworben wurden, um zur Erforschung politischer Aufstände (z.B. in Chile) beizutragen oder um Daten über die vom Vietnam Krieg betroffenen tribalen Gesellschaften zu erheben. Das grundlegende ethische Prinzip ist seither: die höchste und primäre Verantwortung gilt stets den Beforschten. Kollaborative Ansätze erweitern dieses ethische Prinzip in epistemischer Hinsicht und fordern partizipative Forschungen und Dekolonialisierung des Wissens.

Doch so überzeugend und relevant diese Forderungen in vielfacher Hinsicht erscheinen, sie implizieren auch Ambivalenzen und Fallstricke, wenn scheinbar klare Hierarchien und Asymmetrien zwischen machtvollen Forschenden und machtlosen Beforschten in ihr Gegenteil umschlagen, berechtigte Dekolonialisierung politisch instrumentalisiert wird, oder wenn autoritäre und gewaltbereite Gruppen erforscht werden, deren ‚Wissen‘ und Wertvorstellungen dem Prinzip der Symmetrie widersprechen. Das Panel möchte der Frage nachgehen, in welchen Widersprüchen und vor welchen Herausforderungen sich Forschende heute in Feldern wiederfinden, die Machthierarchien etablieren, zu Polarisierung und politischer Radikalisierung beitragen oder indigene Traditionen zu nationalistisch-politischen Zwecken instrumentalisieren. Damit fragt das Panel auch danach, wie Ethnolog*innen sich in polarisierten Debatten positionieren und wie sie sich kollektiven Versionen, wie zu leben sei, anschließen oder sich diesen explizit entgegenstellen mögen.