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T0054


Verstehen – Kritik – Kritik der Kritik: Was treibt die Ethnologie? 
Convenors:
Markus Verne (Johannes Gutenberg-Univ. Mainz)
Martin Büdel (Johannes Gutenberg-University of Mainz)
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Format:
Workshop

Short Abstract

Das Bedürfnis nach Kritik und politischer Positionierung tritt zusehends in Konflikt mit dem verstehenden Kernanliegen der Ethnologie. Das Panel lädt ein, über Möglichkeiten, Grenzen und Verhältnis von verstehenden, kritischen, aktivistischen und aktivismuskritischen Positionierungen zu diskutieren.

Long Abstract

Die verstehende Ethnologie, die das Fach über ein gutes Jahrhundert bestimmte, wird durch ein wachsendes Bedürfnis nach Kritik und Politisierung zusehends herausgefordert. Zwar besteht ihr relativistisches Anliegen, die Vielfalt von Lebensweisen möglichst wertneutral zu erschließen und so ethnozentrische Vorstellungen von „Normalität“ radikal zu hinterfragen, durchaus weiter, ob im Kontext des ontologischen Turns, der neuen Phänomenologie, oder von mehr-als-menschlichen Ethnologien. Allerdings scheint dies in einer globalisierten und in vielerlei Hinsicht als geteilt wahrgenommenen „modernen“ Welt nicht mehr auszureichen: Aspekte von Ideologie und Praxis, die etwa auf Intoleranz, Ungleichheit, Unterdrückung, Gewalt oder Ausbeutung basieren, sollen außerdem kritisch analysiert werden, mit dem Ziel, so zu ihrer Überwindung beizutragen.

Die etablierten Formen ethnologischer Kritik an der Hegemonie „westlichen“ Wissens und Handelns bleiben in diesen politisierten Feldern wichtig. In der als verflochten verstandenen Welt bleibt diese Kritik allerdings nicht mehr auf den „Westen“ (oder „Globalen Norden“) beschränkt, sondern betrifft Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens überhaupt. Kritiker dieser kritischen Haltung bemängeln daher mittlerweile die implizite, oft mit Vehemenz vorgetragene „therapeutische“ Universalisierung eines Wertekanons, der die eigene soziale und kulturelle Fundierung übersieht, hegemoniale Strukturen reproduziert und vorkoloniale Welten romantisiert.

Das Panel lädt zur Diskussion des Spannungsfeldes von wertfreiem Verstehensversuch und kritischer bzw. aktivistischer Positionierung in der Ethnologie ein. Wir freuen uns über Beiträge, die über die Möglichkeiten, Grenzen und Beziehungen von Relativismus und Kritik reflektieren und so zu dem Versuch beitragen, das Wesen der Ethnologie als einer gleichzeitig verstehenden und kritischen Wissenschaft in einer sich wandelnden Welt neu zu fassen.