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T0025


Was sollte eine gesellschaftlich relevante Ethnologie wissen wollen? 
Convenors:
Christoph Antweiler (Institute of Oriental and Asian Studies, University Bonn)
Roman Loimeier (University of Göttingen)
Annette Hornbacher (University of Heidelberg)
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Format:
Roundtable

Short Abstract

Positionalität, kollaborative Forschung, Dekolonisierung, More-than-human, Public Anthropology. Wissen „wir“ angesichts dieser Richtungen noch, was unser Fach wissen will? Unser Roundtable fragt, wie wir das Fach stärken können, statt es zunehmend unkenntlich werden zu lassen.

Long Abstract

„Was bewegt uns? Affekte, Materialitäten, Politiken“ – diese Tagung trifft einen Nerv, denn sie wirft die Frage auf, ob es noch ein ethnologisches „Wir" gibt, das gemeinsam bewegt wird. Positionalität, kollaborative Forschung, Dekolonisierung, More-than-human, Public Anthropology – die Ethnologie hat ihr Vokabular in den letzten Jahren gründlich überarbeitet. Wer spricht, mit wem, von wo aus, für wen, mit welchen Folgen? Was passiert, wenn diese berechtigten Fragen alle gleichzeitig bedient werden?

Fremdheitserfahrung, produktive Missverständnisse, Befremdung: einst der eigentümliche Erkenntnisraum ethnologischer Feldforschung – heute wird das nur noch zurückhaltend aufgerufen. Wieviel Irritation hält das Fach noch aus, wenn Religion, Herkunft, Eigentum oder Erinnerung politisch aufgeladen sind? Und wo kippt Verantwortungsbewusstsein in vorauseilende Vorsicht um – wo entscheidet die Sorge um mögliche Folgen vorab, was überhaupt noch erforschbar bleibt?

Das ist keine akademische Nabelschau. In Zeiten von Polarisierung, Rechts-ruck und neuen Essentialismen bräuchte es dringend eine Ethnologie mit öffentlicher, hörbarer Stimme. Was uns tatsächlich bewegt, sind nicht nur Affek-te, Materialitäten und Politik, sondern ebenso die Frage, wofür wir als Fach öffentlich einstehen wollen. Kaum eine andere Disziplin hat mehr Übung darin, Weltverständnisse zu erschließen, die sie selbst nicht teilt. Gebraucht wird diese Expertise längst: in Debatten über Migration und Grenzregime ebenso wie über zunehmend katastrophale gesellschaftliche Natur-Verhältnisse. Gehört wird die Ethnologie dennoch selten.

Dieser Roundtable beklagt nicht nostalgisch verlorenes Terrain, sondern fragt nüchtern: Stärken sich die neuen Ausrichtungen des Fachs gegenseitig – oder machen sie es unkenntlicher? Was sollte Ethnologie heute wissen wollen und wie müsste sie sprechen, damit man ihr zuhört?